Grundlagen Pflanzenöl

In den ersten Jahrzehnten der Entwicklung des Dieselmotors wurden pflanzliche Öle (in den Kolonien) genauso eingesetzt wie mineralische Öle (in den Ländern, die Vorkommen an Mineralöl hatten). Die Frage des Kraftstoffes war am Beginn der Dieselmotorentwicklung nicht entschieden.

 

Ölquellen

Erst das Auffinden umfangreicher, billiger, leicht erschließbarer mineralischer Ölquellen (Texas, Naher Osten) ermöglichte einen weltweiten massenhaften Konsum dieser Öle. Folglich wurden pflanzliche Öl als Treibstoff, als Schmierstoff und als Chemie-Grundstoff in ihrer Bedeutung zurückgedrängt.

 

Teuerung

Heute geht man jedoch davon aus, dass die Hälfte der billig und leicht abschöpfbaren mineralischen Öle verbraucht sind, so dass etwa seit 2005 eine zunehmende Steigerung des Rohölpreises und damit aller Erdölprodukte, vor allem Kraftstoffe, erfolgt. Die Tendenzen in diese Richtung sind bereits deutlich zu spüren.

 

CO2 und Atmosphäre

Darüber hinaus ist seit Ende der 70er Jahre ein Zusammenhang zwischen Erderwärmung und CO2-Emissionen festgestellt worden (1 kg Öl verbrennt zu 3,6 kg CO2). So könnte es neben der Teuerung, die zur Zeit stattfindet, zusätzlich zu ethisch motivierten Preissteigerungen kohlenstoffhaltiger Ressourcen kommen, um negative klimatische Entwicklungen zu bremsen.

 

Substitut

Pflanzliches Öl kann in den verschiedensten entwickelten technischen Systemen vielfältig Mineralöl substituieren. Zu diesem wichtigen Ergebnis kam VWP durch jahrelange Forschungs- und Praxisarbeit. Damit steht dem Menschen eine CO2-neutrale, wiederherstellbare Energieressource zur Verfügung. Der Wiederherstellungspreis der Ressource bewegt sich bei Pflanzenöl im Rahmen heutiger und zukünftiger Mineralölpreise.

 

Chemie und Physik

Pflanzliche Öle haben volumenbezogen einen vergleichbaren Energieinhalt wie Mineralöle, wobei pflanzliche Öle deutlich mehr Wasserstoff binden.

Verbrennungstechnisch haben pflanzliche Öle Vorteile. Sie verbrennen bei gleichmäßigerer Druckabgabe in kürzerer Zeit. Gewinnungs- und herstellungstechnisch sind pflanzliche Öle den mineralischen Ölen überlegen. Es gibt keine Verunreinigungen durch Schwefel und Schwermetalle. Der Energiebedarf zur Herstellung von pflanzlichen Ölen liegt niedriger als bei der Benzin- und Dieselherstellung.
Die einfach zu handhabende Lagertechnik (Transport, Tankstelle, Pkw-Tank) spricht eindeutig für pflanzliche Öle. Toxizität, Wassergefährdung und Feuergefährlichkeit, bei anderen Kraftstoffen hoch problematische Themen, sind bei reinem Pflanzenöl gleich null.
Das Problem der sehr hohen und auch noch temperaturabhängig wechselnden Viskosität ist mittlerweile in allen ihren motortechnischen Auswirkungen beherrschbar.

 

Ölkuchen

Das Nebenprodukt der Pflanzenölerzeugung, der Öl- oder Preßkuchen, ist ein hochwertiger Eiweiß- und Energieträger, der für die Ernährung der Menschen und in der Tierfütterung Verwendung findet . Da das Öl lediglich aus den chemischen Stoffen C (Kohlenstoff), H (Wasserstoff) und O (Sauerstoff) besteht, kann Pflanzenöl ohne Verringerung der Bodenfruchtbarkeit entnommen und gehandelt werden. Die Ölmühlen sind vornehmlich am Ort der Ölsaatproduktion zu errichten. Dort wird auch der z.B. zur Fütterung verwendete, eiweißhaltige Presskuchen benötigt. Dezentrale Ölmühlen sind ökonomisch gesehen heute schon profitabler als große, mit Hexan extrahierende Ölmühlen.

 

Ölpflanzen

Beim Anbau der Ölfrüchte kann man auf eine große Artenvielfalt zurückgreifen.

In den Tropen sind z.B. verschiedene Ölpalmen sehr ertragreich.
In den letzten Jahren waren Versuche, Ölpflanzen in Mischkulturen mit Getreide und Futterpflanzen anzubauen, sehr erfolgreich. Dabei sind hohe Erträge erzielt worden.

 

Qualität

Die Standardisierung pflanzlicher Öle wird oftmals als Problem empfunden. Die Standardisierung in Bezug auf die Kraftstoffqualität stellt sich nach unserer Ansicht jedoch nicht als unlösbar dar. Weltweit werden ca. 60 Mio. Tonnen Pflanzenöle in großen Ölmühlen hergestellt. Für Verbrennungsprozesse sind sowohl die dort definierte Qualität als auch die zunehmend in dezentralen Ölmühlen hergestellten Qualitäten völlig akzeptabel (Qualitätsstandard für Rapsöl). Was den Phosphorgehalt betrifft, geht VWP von einem etwas niedrigerem Wert, nämlich von 10 mg/kg (statt 15 mg/kg), aus. Dies ist ein Wert, der auch von einer dezentralen Ölmühlentechnik erreicht werden kann.

 

Pflanzenölmethylester

Bei Pflanzenölmethylester (umgangssprachlich: Biodiesel) handelt es sich um ein chemisch-synthetisches Produkt. Pflanzenölmethylester (PME, oder bei Rapsölmethylester: RME) werden zu Kraftstoffzwecken aus Methanol und Fettsäuren hergestellt. Die Fettsäuren werden aus Pflanzenöl gewonnen. Pflanzenölmethylester ist als chemischer Zwischenschritt zwischen fossilen Kraftstoffen und nachwachsenden Kraftstoffen konzipiert. Die Entstehungsbedingungen liegen in den 80er Jahren, als die Motorindustrie bei billigen Mineralölpreisen keine Änderung der Motortechniken beabsichtigte, pflanzlichen Ölbestandteilen jedoch Zugänge zum Markt eröffnen wollte. Für die bestehenden Motorsysteme wurde somit von Seiten der Hersteller Zulassungen für den Fahrbetrieb mit Pflanzenölmethylester ermöglicht.

 

Sonnenenergie und Landwirtschaft

Pflanzliche Öle sind volumenbezogen der dichteste verfügbare, reproduzierbare Energiespeicher in flüssiger Form. Dieser Energiespeicher dient als motorisches Antriebsmittel und kann überdies reproduziert werden.
Pflanzenöle sind Teil des Natursystems und wurden von der Natur im Laufe der Evolution als Energiespeicher für das Samenkorn entwickelt. Bei schwindenden Mineralölreserven gewinnen Pflanzenöle an Aufmerksamkeit. Es ist damit zu rechnen, dass zunehmend - vor allem im landwirtschaftlichen Bereich - motorische Verbrennungssysteme für pflanzliche Öle konzipiert werden.
Auf die Landwirtschaft kommen damit zusätzliche Aufgaben zu. Dies steht aber keinesfalls im Gegensatz zu anderen Aufgaben der Zukunft. Beispielsweise kann die regionale Landwirtschaft, durch den Einsatz von Pflanzenöl als Kraftstoff, die Nahrungsmittelproduktion von der Erdölversorgung entkoppeln, was die Versorgungssicherheit erhöht, und die Preise von Nahrungsmitteln weniger vom Ölpreis abhängig macht.